Sich ein paar Freiräume erkämpfen

Ganz gleich ob als Elternteil oder als Partner, man ist nicht nur Mutter/Vater/Partner, sondern auch eine eigenständige Person – jeder Mensch braucht seine Freiräume. Ich sehe bei einer Freundin ganz deutlich, wie schwer es ihr manchmal fällt an sich zu denken. Ihr Kind ist kein ganzes Jahr da und es ist für sie das allerwichtigste auf der ganzen großen weiten Welt – und das ist bei Müttern ja nichts außergewöhnliches. Im Gegenteil, ich bewundere Mütter, die so denken und die absolut alles für ihr Kind tun. Aber auch wenn das Kind zuweilen ziemlich oft und ziemlich viel fordert, sollte man auch jeden Tag ein wenig an sich denken, und vielleicht dafür einfach mal den Haushalt ein wenig liegen lassen. Dann wird die Wäsche halt morgen gewaschen oder das Staubwischen auf später verschoben.

Mütter meinen immer, dass sie ständig und zu jeder Zeit für das Kind da sein müssen – und das ist ja im Grunde nicht falsch. Gerade in den ersten Jahren sind Kind und das Kindeswohl davon abhängig wie gut die Mutter darauf aufpasst. Lernt das Kind zum Beispiel krabbeln oder laufen, wird es erst richtig lustig und die Mutter hat da ohnehin keine ruhige Minute mehr. Aber wenn das Kind ein wenig schläft, sollte man auch dafür sorgen, sich ein winziges Bisschen zu entspannen. Insbesondere dann, wenn man liiert ist, sollten Mütter sich dazu aufraffen auch ihrem Mann für eine Zeit lang das Kind in die Hand zu drücken, um sich zumindest eine Stunde Freizeit zu gönnen.

Meine Freundin hat mir erklärt, wie sie sich fühlt, wenn sie ihr Kind mal für ein paar Stunden zur Oma gibt: schlecht. Einfach weil sie das Gefühl hat wirklich 24/7 für ihren Sonnenschein da sein zu müssen; dabei weiß sie ganz genau, dass das nicht geht und dass es Blödsinn ist. Aber Gefühle lassen sich bekanntermaßen schlecht abschalten. Sie ist dabei zu lernen, dass es nicht funktioniert sich so viel alleine um das Kind zu kümmern und sie macht dabei große Fortschritte.

Genauso sieht es aus, wenn man in einer Partnerschaft lebt: Man ist nicht einfach nur Partner, man ist auch eine eigene Person und die hat seine eigenen Wünsche, Träume, Ziele und seine ganz eigenen Bedürfnisse. In einer mir bekannten Partnerschaft ist es beispielsweise so, dass sich beide etwas kaufen, viele Dinge, die sie gemeinsam essen (also Obst, Gemüse, Nudeln, Reis, Brot und so weiter) und dann eben noch diese Kleinigkeiten, die jeder von ihnen gerne isst. Der eine kauft sich Nüsse, der andere kauft sich Eis, beide kaufen sich jeweils einen 4er Pack Joghurt. Alles gut soweit, aber der eine Partner (groß geworden als Einzelkind), hat das mit dem Teilen nie gelernt und wenn sie beispielsweise für jeden einen Becher Eis kauft, ist es nicht selten, dass sie nach einer Weile ins Gefrierfach guckt und von ihrem Eis ist nichts mehr da. Das sollte so nicht sein, es sollte wenigstens für den anderen ein Ersatz geholt werden oder man spricht es zumindest ab. Zu sagen: „Wir sind halt Partner, wir teilen alles immer“ ist völlig in Ordnung, aber dann muss man auch fair teilen und beide müssen damit einverstanden sein – und nicht, der eine isst ständig 80 Prozent und der Andere darf die restlichen 20 haben.

Ebenso sollte man in einer Partnerschaft und in der Familie auch einen Platz haben, an dem man sich zurück ziehen kann. Beispielsweise mit einem Hobby-Keller oder eine Ecke in der Garage, vielleicht auch ein anderes Zimmer, das frei ist. Man sollten seinen liebsten Beschäftigungen weiter nachgehen können und auch die Zeit haben dürfen sich mit dem zu befassen, womit man sich bislang immer gerne beschäftigt hat. Auch wenn der Partner davon kein großer Freund ist, sollte man es dem Partner einräumen. Sei es die Freude am Fußballspiel, eine künstlerische Leidenschaft oder ein paar Stunden mit den Freunden. Es ist wichtig, dass man sich diese Freiräume erkämpft, dass man den Platz und die Zeit dafür abkneifen kann und man vom Partner nicht überall mitgeschleift wird oder der Partner alles nur zu seinen Gunsten hin dreht. Gemeinsame Zeit ist wichtig, aber auch die eigene. Umso mehr freut man sich doch anschließend wieder aufeinander.

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Verena Walter

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