Falsche Hilfe

Kennt ihr sie auch, die Mitmenschen, die etwas Hilfe brauchen, die etwas haben wollen und die so sehr darüber klagen, dass es in ihrem Leben nicht so läuft wie sie es gerne hätten? Ich kenne diese Mitmenschen zur Genüge. Besonders oft hört man von Geschichten, in denen man seinen Mitmenschen helfen will, weil sie kein Geld mehr haben. Sie brauchen hier ein wenig Geld für ein paar Zigaretten, da ein wenig Kohle um sich was zu Essen zu kaufen und so weiter; und weil man andere nicht leiden lassen möchte, hilft man ihnen gerne aus.

Allerdings ist es so, dass wenn man manchen Menschen Geld gibt, ihnen noch lange nicht geholfen ist.

Mal angenommen da ist ein Mann, der jeden Monat 20 Euro braucht, um noch einigermaßen über die Runden zu kommen, da er sich (wie in jedem Monat) verkalkuliert hat und man gibt ihm dann die nötigen 20 Euro. Das macht man dann noch den Monat darauf und den Monat darauf und den Monat darauf und so weiter. Diesem Mann hat man dann vielleicht für diesen Moment geholfen, aber man hat nicht sein Problem aus der Welt geschafft. Hätte man das nämlich hinbekommen, dann würde dieser Mann ja nicht jeden Monat wieder Geldprobleme haben.

Bei Problemen hilft es nichts, wenn man die oberflächlichen Probleme löst, in dem Fall dem Mann das nötige Geld in die Hand drückt, sondern es hilft nur die Ursachenbekämpfung. Warum hat dieser Mann denn jeden Monat Geldschwierigkeiten? Hat er zu wenig Einkommen? Gibt er zu viel Geld für unnötigen Schnick-Schnack aus? Verbraucht er so viel, dass er jeden Monat so hohe Rechnungen hat?

Das Gleiche gilt in so vielen anderen Punkten: Weinende Kinder ruhig stellen, indem man ihnen gibt was sie wollen; Leseschwächen verbergen, indem man einfach nichts mehr liest; die Angst vor Mitmenschen umgehen, indem man seine Wohnung nicht mehr verlässt. Das alles hat keine Lebensqualität und wo und wie soll da eine Besserung einkehren, wenn man die gleichen Fehler immer und immer wieder macht? Wie soll das Kind später mit dem Plärren aufhören, wenn es doch jedes Mal belohnt wird, wenn es das tut? Wie soll man später besser lesen, wenn man nicht mal übt? Und wie soll man seine Schüchternheit und seine Angst bei Mitmenschen loswerden, wenn man sich einschließt? Man muss etwas unternehmen – und zwar derjenige, der das Problem hat.

Und diejenigen, die laufend wegen Geld angepumpt werden oder die ständig bei ein und derselben Sache aushelfen sollen, obwohl der Andere es auch könnte, müssen lernen Nein zu sagen. Das Problem wird sich nicht in Luft auflösen, wenn man den Teufelskreis beibehält. Man hat in seinem eigenen Leben genug zu managen, da kann man sich nicht immer um die Probleme anderer kümmern. Damit meine ich selbstverständlich weder, dass man dieser Person nie wieder hilft noch meine ich damit, dass Notsituationen ignoriert werden sollen, aber wenn man jedes Mal wieder die falsche Hilfe anbietet, wird der andere an seinem Verhalten nichts ändern, und am Ende wird man womöglich nur ausgenutzt.

Ich möchte dazu noch erwähnen, dass ich selbstverständlich nicht die Obdachlosen meine, die keinen Cent haben und auch nicht die Menschen, die mit ihrem mirkigen Hartz IV-Geld Schwierigkeiten haben. In diesen Situationen kann man noch so gut mit Geld umgehen, für zahlreiche grundlegende Dinge reicht es nicht.

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Verena Walter

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