Die Patientenverfügung – gern vergessen, gern unterschätzt

Ich bekomme es immer wieder am eigenen Leib zu spüren und ich merke es auch immer bei anderen Menschen. Solange alles in Ordnung ist, machen wir nichts. Viele nehmen nicht ab, obwohl die Gefahren für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Risiken gegeben ist. Etliche Menschen treiben keinen Sport, obwohl es nachweislich gut für ihre Gesundheit und die Lebensdauer ist. Kaum einer macht sein Testament, obwohl wir garantiert alle irgendwann das Zeitliche segnen.

Genauso ist es auch mit dem Dokument, um das sich dieser Beitrag heute drehen wird: die Patientenverfügung. Aber was ist das eigentlich? Und wozu ist sie gut? Das wollen wir zunächst einmal klären.

Was ist eine Patientenverfügung?

Bei einer Patientenverfügung handelt es sich in der Regel um ein Schriftstück, in dem die entsprechende Person (volljährig) festlegt, was mit dem Patienten gemacht werden darf und was nicht, sollte er nicht mehr in der Lage sein eigene Entscheidungen treffen zu können.

Man muss sich vorstellen, dass jemand beispielsweise ins Koma fällt – und das nicht nur für ein paar Stunden, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Wochen, Monate, sogar Jahre können ins Land gehen, bis der Patient wieder seine Augen öffnet. Selbst dann kann man bei etwaigen Umständen nicht davon ausgehen, dass alles wieder normal ist.

Wie kann es zu so einer Situation kommen?

Ein Unfall, aus dem eine solche Situation entstehen kann, ist jederzeit möglich. Während des Urlaubs, Zuhause, bei der Arbeit, beim Einkaufen, während der Autofahrt, auf dem Heimweg, im Laufe einer Party – überall und jederzeit. Wir können nicht in die Zukunft sehen und uns nicht auf das vorbereiten, was heute, morgen oder übermorgen geschehen wird. Es ist uns nicht möglich diese Gefahren vorher zu sehen und zu vermeiden.

Sicherlich können wir etwaige Gefahren im Vorfeld erkennen und vermeiden, beispielsweise, dass wir nicht betrunken oder übermüdet hinter dem Steuer sitzen. Aber wir können nicht entscheiden was andere tun. Wenn sich jemand anderes ins Auto setzt und definitiv nicht mehr fahrtüchtig ist, aber einen Unfall baut, in dem wir involviert sind, können wir es nicht vorher sehen und nicht ändern.

Deswegen eine Patientenverfügung

Damit wir uns aber nicht ängstlich in unseren 4 Wänden verbarrikadieren und nicht mehr vor die Haustür trauen, haben wir die Möglichkeit uns, unser Leben und die Handhabe mit dem Erbe abzusichern. Wir können unter anderem ein Testament aufsetzen und festlegen, was mit unserem Hab und Gut geschehen soll, wenn wir nicht mehr sind. Ebenso, was aber deutlich seltener gemacht wird, können wir eine Patientenverfügung machen und festlegen was mit uns passieren soll, wenn wir in einer Situation sind, in der wir nicht mehr für uns sprechen können.

Wie sieht eine Patientenverfügung aus?

Die Patientenverfügung wird schriftlich festgehalten und unterzeichnet. Bei der Patientenverfügung gibt es keine vorgeschriebenen Richtlinien über die Schriftart, Schriftgröße, Form oder dergleichen. Theoretisch kann die Patientenverfügung sogar auf einer Serviette geschrieben sein.

Wichtig ist bei dem Verfassen der Willenserklärung nur, was in welchem Fall gemacht werden soll. Was soll mit mir geschehen, wenn ich einen Unfall habe und nicht mehr reden kann? Sollen lebenserhaltende Maßnahmen getroffen werden? Und wenn ja, welche? Dass nun nicht jeder Patient gleichermaßen über diese Möglichkeiten informiert ist, steht außer Frage. Daher ist es von Vorteil sich diesbezüglich im Internet zu informieren oder sich bei Ärzten über die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten zu erkundigen, um die Verfügung so aufzusetzen, wie man es wünscht.

Hierfür ist keine besondere Form notwendig, es muss kein Notar zu Rate ziehen. Die einzigen Voraussetzungen, die für das Verfassen und Unterzeichnen notwendig sind, um das Dokument rechtskräftig zu machen, sind erstens die Volljährigkeit und zweitens der Vollbesitz der geistigen Kräfte. Solange beides gegeben ist, spielt es keine Rolle ob die Verfügung auf einem weißen, einem blauen, einem roten Papier, in Schreib- oder Druckschrift, Hand geschrieben oder mit dem Computer verfasst oder notariell beglaubigt ist oder nicht.

Man sichert nicht nur sich selbst ab

Die Patientenverfügung ist wie das Testament nicht nur da, um sich selbst zu schützen, es nimmt sämtliche Verantwortung von den Familienmitgliedern. Normalerweise ist es so, dass wenn Maßnahmen getroffen werden müssen und man selbst nicht in der Lage ist für sich zu sprechen, dass die engsten Angehörigen die Entscheidungen treffen müssen. Wenn man sich nicht von ihrer Entscheidung abhängig machen will und ihnen die schwere Last der Verantwortung nicht übertragen will, fällt man die Entscheidung anhand der Patientenverfügung im Vorfeld.

Dadurch werden alle, in der Willenserklärung festgelegten, Maßnahmen getroffen, die darin erlaubt werden.

Warum schreiben viele Menschen keine Willenserklärung?

Es ist immer wieder zu beobachten, dass etliche Menschen, trotz der zahlreichen Gefahren nichts unternehmen. Sie schreiben kein Testament, keine Patientenverfügung, nichts.

Aber warum ist das so? Viele Menschen scheuen das Erstellen und Unterzeichnen einer Verfügung aus unterschiedlichen Gründen. Manche wissen nicht, wie sie es aufsetzen sollen, andere glauben dafür einen Notar bezahlen zu müssen, wieder andere denken vor lauter Arbeit und Pflichten nicht daran an sich zu denken und wieder andere haben Angst davor sich damit auseinander zu setzen und eine Verfügung aufzusetzen.

Manchmal erscheint es so, als hätten die Menschen Angst, sobald sie das Dokument aufgesetzt haben, dass direkt im Anschluss Gevatter Tod vor ihrer Haustür steht und klingelt. Dabei ist ein solches Dokument keine Einladung für Unfälle oder den Tod – es ist vielmehr eine Absicherung für sich und seine Familie, damit man im Fall der Fälle alles geregelt hat.

Warum jeder eine Patientenverfügung machen sollte

Jedem, dem es nicht gleichgültig ist, was in diesem Fall passiert (und ich gehe davon aus, dass das die wenigsten sind), sollte unbedingt eine Patientenverfügung aufsetzen und diese gut aufbewahren, vielleicht sogar mit sich tragen. Wie gesagt, es lockt weder Unfälle noch den Tod an – und es ist keine besondere Form nötig. Es kostet kein Geld, es kostet einem nicht das Leben. Man muss lediglich ein wenig Zeit investieren, und schon kann man viel freier und unbesorgter durchs Leben gehen.

Ich habe meine Patientenverfügung bereits fertig und fühle mich seitdem viel befreiter. Es ist eine Angelegenheit, um die ich mir keine Gedanken machen muss und das erhöht wiederum meine Kreativität.

Habt ihr eine Patientenverfügung?

Habt ihr eine Patientenverfügung aufgesetzt oder fehlt euch der Mut dazu? Wie würdet ihr eure Patientenverfügung aufsetzen und was ist für euch wichtig zu erwähnen? Kennt ihr einen Fall in eurer Familie, in dem jemand eine Patientenverfügung gemacht hat und wie war das für euch? Erzählt uns von euren Erfahrungen in den Kommentaren und helft anderen dabei einen besseren Einblick in die Materie zu bekommen.

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Verena Walter

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