„Das ist mir zu gesund“

Ich habe ein sehr (wie soll ich es nennen?) eigenwilliges Gespräch mit einer Dame geführt, die mir erklärte, dass sie abnehmen wolle; in dem Zuge habe ich ihr ein paar Ratschläge gegeben, wie etwa Salat zu essen, und ihre Antwort darauf war „das ist mir zu gesund“. Ich hatte zunächst noch gelacht, weil ich es für einen Scherz gehalten habe. Dann musste ich aber feststellen, dass diese Person das ernst meinte. Ich war geschockt.

Nicht immer Lust auf Gesundes

Ich weiß wie es ist, wenn ich beispielsweise eine Woche am Stück Salat gegessen habe, dass ich dann eine Weile lang den gesunden Leckerbissen nicht mehr sehen mag – wie es aber bei allen Lebensmitteln der Fall ist, wenn sie eine Zeit lang zu häufig konsumiert. Seien es Schnitzel, Pommes, ein Salat, eine Suppe oder ein anderes Lebensmittel. Allerdings hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch nie jemanden sagen hören, dass ihm etwas „zu gesund“ sei. Wie gesagt, wenn man sich die ganze Woche von Salat ernährt hat und sich dann einen Döner, einen Burger oder eine Pizza genehmigt – das ist verständlich.

Sehr traurig

Die Aussage „das ist mir zu gesund“ stimmt mich allerdings sehr traurig. Wie schlimm müssen die Ernährungsgewohnheiten sein, dass ein Salat als „zu gesund“ erscheint. Ein „Zu gesund“ existiert nicht. Zu gesund ist genauso wenig machbar wie zu sagen: „Den Film kann ich mir nicht anschauen, er ist zu gut!“

Warum sagt man sowas?

Eine Weile habe ich darüber sinniert und mich gefragt, ob sie vielleicht der Ansicht wäre, dass sie nicht gut genug für den Salat wäre, denn dieser Mensch hält nicht besonders viel von sich. Aber… „zu gesund“? Dann dämmerte es mir: Sie war so sehr von schlechten und ungesunden Lebensmitteln vollgepumpt, dass ihre Sucht nach diesen Lebensmitteln so groß ist, dass sie nichts von anderen gesunden Lebensmitteln hält.

Zu faul, zu viele schlechte Gewohnheiten – zu lange

Diese Person hat das Problem schon eine Ewigkeit schlecht zu essen und sich demnach kaum vorstellen zu können, dass man seine Gewohnheiten nun umstellen kann und in der Lage ist sein Leben zu verbessern. Dieser Mensch kann (oder will) sich nicht vorstellen an diesen Lebensmitteln eine Freude zu haben. Und wie komme ich auf diesen Schluss? Aufgrund einer anderen Aussage, die dieser Mensch getroffen hat. Es ging um Chia-Samen, und ich hatte darüber etwas erzählt. Da suche ich gerade die Bilder raus und zeige sie diesem Menschen, erkläre die positiven Eigenschaften von Chia-Samen, da ertönte es neben mir: „Ih, das sieht eklig aus! Das probiere ich nicht!“ Ich erklärte, dass Chia-Samen nicht ekelig wären. Dann hieß es: „Nee, sowas möchte ich nicht essen. (Achtung: ) ICH WILL JA NOCH WAS VOM LEBEN HABEN!

Ergo: Die Freude am Leben dieses Menschen beschränkt sich nur auf das Essen von einer Reihe (ungesunder) Lebensmittel. Alles andere (Bewegung, das Essen von gesunden Lebensmitteln, weniger naschen und dergleichen) ist für diese Person eine Einschränkung seiner Lebensqualität. Traurig, aber wahr. Dabei hat das Leben doch so viel mehr zu bieten. Wie wäre es mal mit einem Ausflug ans andere Ende des Landes, um sich dort ein paar historisch wertvolle Bauten anzusehen? Wie wäre es mit dem Besuch in einem Museum mit wunderschönen und einzigartigen Kunstwerken? Warum nicht mal einen Trip auf dem Rad machen und die Landschaft genießen? Ein Theaterbesuch? Ein Gang ins Kino? Sich mit Freunden treffen? Sind diese Dinge nicht wichtiger, als nur dann Glück empfinden, wenn man ungesund lebt?

Ich bat diesen Menschen ein wenig darüber nachzudenken. Wie unglücklich musste dieser Mensch sein, dass ihm die schlechte Ernährung so gut gefällt bzw. dass ihr so viel Bedeutung beigemessen wird.

Ich hoffe sehr, für alle Menschen, denen es genauso geht, die nicht viel Wert auf ihre Gesundheit legen, die von sich eine so schlechte Meinung haben, die glauben nichts verdient zu haben, oder die auch die Ansicht haben, dass sie für neue Dinge zu alt, zu dumm, zu hässlich oder dergleichen sind.

„Das ist mir zu gesund“
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Verena Walter

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