Bin ich für die Selbstständigkeit geeignet?

Woran erkennt man ob man für die Selbstsändigkeit geeignet ist?

Viele Menschen sind von ihrer Arbeit und dem Leben im Hamsterrad genervt. Sie müssen sich mit einem Chef abgeben, der laufend nur Kritik übt, sie sind von inkompetenten, besserwisserischen, gemeinen oder unfreundlichen Kollegen umgeben und sind der Meinung, dass sie den Job des anderen viel besser machen können. Oder sie sehen irgendwelche Menschen im Fernsehen, kriegen anhand einer Dokumentation oder anhand eines kurzen Beitrages einen Einblick in ihr Arbeitsleben und sagen sich: „Mensch, der macht so viel Geld mit der Arbeit! Das will ich auch!“

Die Selbstständigkeit ist im ersten Moment eine schöne Idee. Man ist sein eigener Chef, kann seine Arbeitszeiten selbst bestimmen, man sagt anderen was sie zu tun und zu lassen haben oder man hat überhaupt keine Mitarbeiter (beispielsweise in einem Online-Business) und ist nicht nur sein eigener Chef, sondern auch der beste Mitarbeiter! Sicher ist der Gedanke für viele ein Grund sich in die Selbstständigkeit zu stürzen, aber zu der Selbstständigkeit gehört viel mehr, als nur der eigene Chef zu sein und seine Arbeitszeiten zu bestimmen.

Je nach Beruf gehört auch dazu, dass man die Ware einkauft, dass man sich regelmäßig über die Neuerungen informiert (beispielsweise wenn ein neues verbessertes Programm erhältlich ist), dass man über alle Abteilungen und ihre Aufgaben Bescheid weiß und dass man regelmäßig überprüft ob alles seinen Gang geht. Man trägt als Chef die komplette Verantwortung, besonders dann, wenn man einen Kunden verärgert oder ihm schadet. Als Chef ist man voll und ganz haftbar, wenn etwas passiert, als Mitarbeiter nur zum Teil.

Das soll natürlich nicht heißen, dass es enorm gefährlich oder schlimm ist selbstständig zu sein. Man sollte nur wissen, dass zu der Selbstständigkeit mehr gehört, als nur das Einteilen der Zeiten und dem Befehlen von Aufgaben.

Aber was gehört denn alles zur Selbstständigkeit?

Zu der Selbstständigkeit gehört ganz viel! Zunächst ein paar grundlegende Dinge, wie zum Beispiel die Gewerbeanmeldung. Bevor man sein eigenes Business startet, sollte man sich ein Gewerbe zulegen und dieses auch anmelden – dabei hat man die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Firmen. Beispielsweise gibt es da die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), die AG (Aktiengesellschaft), die KG (Kapitalgesellschaft) und auch gemischte Firmen, wie GmbH & Co. KG, um nur ein paar zu nennen.

Zudem gehört ein Steuerberater zu den grundlegenden Notwendigkeiten, da dieser einen im Notfall immer beraten kann, ob man diese und jene Kosten auf die Firma abwälzen kann, was wann absetzbar ist und so weiter. Zudem kann der Steuerberater einem noch ein paar Tipps zum Thema Steuern geben – das erspart einem viel Zeit, warum also keinen Fachmann heranziehen?

Ebenso braucht man eine Versicherung, unter anderem eine Gewerberechtsschutzversicherung, aber auch einige andere Versicherungen, um im Fall der Fälle nicht alleine da zu stehen. Was ist, wenn es mal brennt? Was passiert, wenn eine Überschwemmung kommt? Und so weiter!

Von vielen oft vergessen, aber mindestens genauso wichtig, ist die Ausstattung. Je nach Berufszweig braucht man natürlich ein völlig anderes Equipment, aber wenn es soweit ist und man sein Geschäft eröffnet, sollte alles da sein. Wer eine Autovermietung starten will, sollte nicht nur den Computer eingeschaltet haben, sondern auch Autos, die man mieten kann; wer eine Imbissbude eröffnet hat, sollte nicht nur eine funktionierende Kasse haben, sondern auch eine Speisekarte, sämtliche Lebensmittel, die für die Speisekarte notwendig sind, und natürlich die notwendigen Gerätschaften, um die Lebensmittel richtig zu lagern, zuzubereiten und warm zu halten.

Aber bevor man zu diesen Schritten greift, sollte man sich vorher überlegen, ob man das wirklich möchte und überprüfen, ob man wirklich in der Lage ist, so ein Business zu betreiben.

Zur Selbstständigkeit gehören:

Selbstvertrauen:

Man muss an das was man tut und dem wie man es tut Vertrauen haben, daran glauben, dass man es schaffen kann. Mit Selbstmitleid, Zweifeln und Angst hat man es noch nie weit geschafft – und keiner hat daraus gute Erkenntnisse gewonnen geschweige denn gute Ergebnisse erzielt. Dazu sollte gehören, dass man sich nicht von der Meinung anderer abhalten lässt, insbesondere von denen, die selbst keine Ahnung haben.

Kritikfähig:

Nobody is perfect – und dem zufolge kann es jedem mal passieren, dass er etwas falsch macht, an etwas nicht denkt oder schlecht organisiert ist. Dementsprechend kommt es vor, dass man kritisiert wird – und das sollte man ab können! Gerade in der Selbstständigkeit ist es wichtig, dass man nicht eingeschnappt oder pampig reagiert, wenn jemand sagt, dass er unzufrieden ist und warum. Auch im Vorfeld, wenn man anderen von seinen Plänen erzählt und diese ein paar Fragen haben, sollte man sich zunächst fragen: „Haben sie Recht?“ Sicher, Selbstvertrauen ist wichtig, aber deswegen sollte man nicht davon ausgehen, dass alle anderen Unrecht haben und einen sabotieren wollen.

Gerade dann, wenn man beispielsweise ein Produkt auf den Markt bringt, bei dem 15 Leute sich über ein und das selbe Problem beschweren, dann ist es Zeit etwas dagegen zu unternehmen. Gleiches gilt natürlich, wenn man ein Restaurant hat und sich die Gäste vermehrt über ein Gericht beschweren, dass es nicht schmeckt. Man sollte nur nicht auf jede Kritik eingehen und sich von ihr fertig machen lassen. Den goldenen Mittelweg zu finden ist schwierig, aber machbar.

Entscheidungsfreudig:

Als Chef und Selbstständiger muss man dazu in der Lage sein Entscheidungen fällen zu können. Das bedeutet selbstredend nicht, dass man irgendwas entscheidet, Hauptsache man hat eine Entscheidung gefällt, sondern natürlich, dass man sie mit bedacht wählt. Aber ebenso ist es als Chef keine gute Strategie ewig und drei Tage zu warten und immer wieder nur das Für und Wider zu diskutieren. Auch wenn manche Lösungswege nicht ideal sind, muss man sich für den Weg entscheiden, der für einen selbst und die Firma am Besten ist.

Courage:

Für diese Entscheidung eine Firma zu gründen und sein eigenes Business zu starten, braucht es Courage. Man muss den Mut haben seine Entscheidungen zu treffen und auch dahinter zu stehen. Auch bei Veränderungen, die man früher oder später machen muss, darf man nicht zu ängstlich sein, dass man den bisherigen Kunden auf den Schlips tritt. Entscheidungen zu treffen und sein Leben in die Hand zu nehmen bedeutet mutig sein – wohl bemerkt: Mutig! Nicht übermütig!

Pflichtbewusstsein:

Als Chef seiner Firma sollte man nicht nur seine Rechte vor Augen haben, sondern auch seine Pflichten! Man muss seinen Mitarbeitern regelmäßig (und vor allen Dingen pünktlich) ihr Gehalt überweisen und ist dazu verpflichtet diese ebenfalls zu versichern. Der Chef muss alles kontrollieren und braucht stets einen Überblick über alle Bereiche. Nur weil man Wirt ist, muss man keine Ahnung von Service und Küche zu haben, und nur weil man eine Werbefirma leitet, muss das nicht heißen, dass man nichts mit den Kameraleuten, Fotografen und Models, sowie den Designern zu tun hat!

Verantwortung:

Wenn etwas schief geht, trägt man allein die Verantwortung dafür (insbesondere, wenn man der einzige Mitarbeiter seiner Firma ist). Und die muss man auch tragen können. Als Chef darf man nicht laufend die Schuld auf andere schieben – und falls irgendein Mitarbeiter ständig die gleichen Fehler macht, sollte man sich überlegen, ob es nicht an der Zeit ist, diesen Mitarbeiter vor die Tür zu setzen.

Delegieren:

In vielen Berufszweigen, in denen man mehrere Mitarbeiter hat, die aber nicht alle die gleiche Aufgabe erledigen können (trotz gleicher Abteilung), ist es wichtig, dass der Chef delegiert und den Mitarbeitern sagt, wer was wie zu erledigen hat. Wer telefoniert bei den Kunden durch? Wer bearbeitet die Aufträge? Wer kontrolliert die Ware? Und so weiter…

Kalkulieren:

Auch wenn man einen Steuerberater hat, ist es wichtig, dass man seine Zahlen im Blick hat und weiß, was man monatlich an Einnahmen hat und was man an Ausgaben hat. Welches Produkt verkauft sich gut und welches bleibt im Regal liegen? Rechnet sich der Aufwand mit dem Personal oder hat man zu viele Mitarbeiter? Auch bei dem Verkauf von Produkten muss man den Preis so setzen, dass die Kunden es natürlich kaufen würden, man aber auch etwas daran verdient. Es ist niemandem geholfen, wenn man den Preis so niedrig setzt, dass man seine laufenden Kosten nicht deckt.

Guter Umgang mit Geld:

Nicht nur der Verkauf muss stimmen, sondern auch das Einkaufen. Gastronomen die im Supermarkt einkaufen gehen, geben unnötig viel Geld aus und bekommen eine mindere Qualität – und wer seine Produkte nicht gleich beim Händler einkauft, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Zudem muss man darauf achten, dass man nicht zu viel ausgibt und nicht Dinge kauft, die man am Ende doch nicht benötigt bzw. in einer Menge einkauft, die man am Ende gar nicht mehr verkaufen kann.

Ordnung:

Damit man bei seinen Aufträgen und den Finanzen nicht durcheinander zu kommen, muss man System in seine Arbeit bringen. Aufträge, Angebote, Bestellungen und Rechnungen immer gleich abheften, ebenso wie die Anfragen und Verträge. Alles sollte einen eigenen Ordner haben und natürlich nach Datum sortiert. Ebenso muss man in allen anderen Bereichen Ordnung ins System bringen. Es kostet einen nur unnötig Zeit, wenn man laufend seine Sachen sucht und ständig nicht weiß wo oben und wo unten ist. Wo ist noch mal der Locher? Wer hat den Tacker gesehen? Wo habe ich noch gleich diese Datei gespeichert? Alles unnötige Fragen, die man sich sparen kann.

Organisation:

Bei wichtigen Terminen und stressigen Tagen muss man organisieren können. Das heißt, dass man genau plant welcher Schritt wann kommt. Welche Aufgabe kann warten? Was muss als erstes erledigt werden? Kann ich eine Aufgabe an jemand anderen abgeben? Was muss heute erledigt werden und was kann ich auf morgen verschieben?

Flexibilität:

Die Welt verändert sich – und das ständig. Eine Firma geht pleite, ein neues Gebäude wird errichtet, ein neues System kommt raus, ein Programm ist irgendwann veraltet. Auf all das muss man sich einstellen und der Firma zugunsten reagieren. Man muss sich von Altem trennen können und offen für Neues sein. Gibt es vielleicht Geschäftszeiten, die keinen Sinn mehr machen? Bin ich mit meinem System noch Up-To-Date?

Finanzielle Mittel:

Für viele Dinge, die zum Einstieg in die Selbstständigkeit gehören, benötigt man finanzielle Mittel, zum Beispiel aus den Ersparnissen, einem Kredit oder man muss es sich aus dem Freundes- und Familienkreis leihen. Aber eine finanzielle Grundlage ist nötig – gerade in der ersten Zeit ist es nicht ungewöhnlich, dass man erst einmal gar nicht so viel Umsatz macht, wie man braucht, weshalb ein finanzieller Puffer für schlechte Zeiten eine gute Idee ist. Natürlich braucht man auch genügend Geld, um das nötige Equipment zu kaufen, sei es ein Computer, eine Küchenausstattung, Werkzeuge, ein wenig Büroinventar oder muss vielleicht erst noch renoviert werden?

Lernbereitschaft:

Da sich in der Welt laufend etwas verändert, muss man bereit sein Dinge zu ändern, aber auch sich selbst anzupassen und auf dem Laufenden zu sein. Man muss für seine Mitarbeiter ein Vorbild sein und kann nicht da sitzen und sagen: „Das muss Müller machen, ich habe davon keine Ahnung.“ Lernen ist unabdingbar – und man sollte sich die Zeit nehmen das auch in die Tat umzusetzen. Wer regelmäßig am Ball bleibt, hat es zudem viel leichter, als jemand, der alles aufschiebt.

Eigenständiges Handeln:

Vom Chef erwarten die Mitarbeiter, dass er die Sache in die Hand nimmt und die Initiative ergreift. Ihm muss nicht gesagt werden was zu tun ist, er ist derjenige, der sagt wo es lang geht. Der Chef muss sich etwas einfallen lassen, wenn es mal nicht läuft und eigenständig etwas unternehmen, und nicht darauf hoffen, dass irgend wer anderes die Karre aus dem Dreck zieht.

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Verena Walter

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