Arbeitslosigkeit – Mehr als nur arbeitslos

Arbeitslos zu sein ist wahrlich kein Vergnügen. Ich habe selbst eine ganze Weile in dieser Situation gesteckt und hatte nicht das Gefühl, dass es die Menschen vom Arbeitsamt wirklich interessiert die Menschen vernünftig zu vermitteln. Hierzu möchte ich nicht nur meine, sondern auch Geschichten von Freunden unterbringen, die aufzeigen, wie wenig man in den Augen einiger Menschen wert ist, nur weil man keine Arbeitsstelle hat.

Der saure Apfel

Eine Freundin von mir war mit ihrem Schatz eine ganze Weile auf der Suche nach einem festen Arbeitsplatz. Es war insofern schwierig, weil sie nur ein Auto hatten (und immer noch haben) und beide aufgrund ihrer Präferenz gerne in der gleichen Firma arbeiten wollten. Blöd daran war nur, dass viele Firmen entweder nur auf Zeitarbeit ausgeschrieben hatten (was die beiden nicht wollten) oder es ging darum, dass ja nur eine Festanstellung in unterschiedlichen Firmen zu holen war. Das ist mit einem Auto sehr ungünstig.

Letzten Endes fanden sie einen guten Arbeitsplatz. Nur 30 Minuten mit dem Auto unterwegs, beide konnten da anfangen und sie bekamen die gleichen Arbeitszeiten. Bei dem Job handelte es sich nämlich um Fachlagerist bzw. Fachlageristin – und dort ist (für alle, die es nicht wissen) Schichtarbeit Programm. Das bedeutet, dass man beispielsweise die Nachtschicht hat von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens des nächsten Tages. Dann gibt es die Frühschicht von 6 bis 14 Uhr und dann die Spätschicht von 14 bis 22 Uhr. In der Partnerschaft, wenn beide den gleichen Job in der gleichen Firma ausüben, natürlich sehr praktisch.

Blöd wurde es nur, als es hieß, dass die Firma nur ab dem 15. eines jeden Monats die Gehälter bezahlt. Vom Amt würde aber mit Eintritt ins Berufsleben bereits ab dem Ersten des Monats das Geld gestrichen sein. Mit einem leeren Tank und einem ebenso leeren Kühlschrank waren das natürlich nicht die besten Voraussetzungen. Also sind meine Freundin und ihr Mann hingegangen und haben gefragt, ob es nicht möglich wäre die Zahlung bis zum 15. laufen zu lassen. Sie versprachen, dass sie es zurückzahlen würden, und sie waren auch bereit einen Vertrag aufzusetzen, damit sich das Amt später darauf berufen konnte. Aber die Dame vom Amt hatte nicht mal versucht mit dem Vorgesetzten zu sprechen, sondern sagte ganz dreist zu meiner Freundin: „Da kann ich Ihnen auch nicht helfen, dann müssen wir eben in den sauren Apfel beißen.“

In meinen Augen eine absolute Frechheit.

Versteht mich nicht falsch. Es ist mir klar, dass die nicht für jedermann die Gesetze brechen und biegen können. Aber ich finde es wirklich traurig, dass dieses Amt nur für die „Vermittlung“ zuständig ist, aber im Anschluss nichts dafür tun will, dass man nicht am ersten Tag wieder rausfliegt.

Glücklicherweise hat meine Freundin das Problem lösen können, indem sie mit dem Chef sprach und dieser ihr zusagte, dass sie einen Teil des Geldes bereits ab dem 1. haben könnten. Wenn der Chef nicht gewesen wäre, hätte das mit der Arbeit ganz schlecht ausgesehen…

Wir müssen die Suche erweitern

Ab einem gewissen Punkt bei der Arbeitssuche verstehe ich, wenn man es nicht länger bei ein oder zwei Angeboten bleiben kann, sondern das Suchfeld erweitern muss. Wenn man sich mehrere Jahre an einen Beruf klammert, aber trotz Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen und anderer Dinge nichts Gescheites dabei rumkommt, ist das Suchfeld offenbar zu klein. In den Statistiken kann man sehen, dass einige Berufe regelrecht überlaufen werden, während bei anderen nahezu gar nichts passiert. Wenn die vom Arbeitsamt aber anfangen einem ALLES anzudrehen, hört es für mich irgendwo auf.

Klar, solange die Qualifikationen stimmen, sollte man das Suchfeld erweitern. Aber wenn der Arbeitslose erklärt, dass er diesen Job aus gutem Grund nicht mehr machen möchte, dann ist es ziemlich unmenschlich dieser Person ausgerechnet diesen Beruf aufschwatzen zu wollen.

Oder noch schlimmer: irrwitzige Berufe anzubieten, für die man gar nicht geeignet ist. So wurde einer Freundin von mir mal angeboten, sie könnte doch einen der zahlreich angebotenen Berufskraftfahrer Jobs machen, wie etwa Fernkraftfahrer oder dergleichen. Meine Freundin hat bestimmt 30 Minuten gebraucht, um ihr nahezubringen, dass sie dafür nicht die notwendigen Qualifikationen aufweist – schließlich muss man für einen derartigen Beruf den dafür vorgesehenen Führerschein besitzen.

Man kann ja auch nicht einfach einen Kran bedienen, ohne die notwendige Ausbildung abgeschlossen zu haben.

Also die Suche erweitern: Ja, sicher. Weitere Arbeitsmöglichkeiten in Betracht ziehen: Absolut. Aber doch bitte nicht etwas, was dem Willen des Arbeitslosen grundsätzlich widerstrebt und was er nicht ausführen darf.

Das können wir nicht zahlen

Das beste, was ich persönlich beim Amt erlebt habe, war folgende Geschichte: Ich ging zum Amt, um mir Geld für eine Fahrkarte auszahlen zu lassen oder direkt das Ticket für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch zu bekommen. Das Problem war nämlich, dass ich meine Geldbörse verloren hatte und damit nicht in der Lage war an mein Geld von der Bank zu kommen. Dort war nämlich nicht meine Hauptfiliale, die war dort, wo meine Eltern wohnten, ca. 1 Stunde Autofahrt entfernt. Und ohne Auto, Führerschein und Geld, war es unmöglich dort hinzukommen. Außerdem war es unter der Woche und mal eben dafür mich abzuholen, damit ich Geld abheben konnte, und mich dann zurückzufahren, war auch keiner bereit (verstehe ich auch).

Vor allen Dingen, wenn das Amt für derartige Dinge zuständig ist. Ich bin also hingegangen und habe ihnen die Situation geschildert, dass mich weder die Familie fahren kann, dass ich nicht an das Geld meiner Bank komme und dass ich keine Chance habe eigenständig in das eine Stunde entfernte Städtchen zu kommen, um dort ein Vorstellungsgespräch zu führen. Der Mann hörte sich das alles an und wollte das Schreiben der Firma sehen. Ich händigte es ihm aus und er ging kurz zu einem Kollegen. Nach kurzer Absprache setzte er sich zu mir hin, gab mir meinen Zettel zurück und erklärte mir freundlich, aber bestimmt: „Das können wir Ihnen nicht bezahlen. Sehen Sie: Da unten steht drin, dass die Firma Ihnen das zurückzahlt. Dann dürfen wir das nicht mehr machen.“

Ich bin fast aus allen Wolken gefallen und habe den Mann gefragt: „Was soll mir das bringen, wenn ich doch gar nicht erst hinkommen kann?“

Daraufhin wusste der Mann auch keine Lösung und schickte mich fort, nachdem ich 3 Stunden in der stickigen Bude gewartet und diese „Hilfestellung“ bekommen habe.

Unfassbar.

Miese Finanzen

Überhaupt ist man als arbeitsloser Mensch finanziell wirklich gepeinigt. Nicht nur, dass viele nicht wissen welche finanziellen Mittel ihnen tatsächlich zustehen, die meisten Mitarbeiter (mit denen ich gesprochen habe), sagten von sich aus sowieso nichts. Es hieß nie: „Das steht Ihnen zu, wussten Sie das nicht?“, sondern maximal: „Da kann ich auch nichts machen.“

Aber nicht nur bei mir auch bei anderen habe ich das festgestellt. Beim Amt bist du als arbeitsloser Mensch nur eine Nummer, keine Person mit Bedürfnissen, Zielen und Träumen. Du hast gefälligst zu arbeiten, und zwar das, was man dir vorschlägt. Ob du willst oder nicht, spielt keine Rolle.

Mir ist klar, dass man sich in der Arbeitslosigkeit auch nicht ewig Zeit lassen kann – aber ich bekomme so viele Menschen mit, die das Geld benötigen und sich mit der Arbeitssuche wirklich ins Zeug legen, nur um am Ende einen Arschtritt zu kassieren – und das noch für sehr wenig Geld im Monat.

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

Seid ihr Mal arbeitslos gewesen oder seid es immer noch? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Amt gemacht oder kennt ihr Geschichten aus der Familie oder von Freunden, bei denen es so oder ähnlich abgelaufen ist? Erzählt aber auch von euren guten Erfahrungen und lobt die Menschen, die im Amt sitzen und wirklich gute Arbeit leisten.

Mit diesem Beitrag will ich keineswegs alle Mitarbeiter der Agentur für Arbeit über einen Kamm scheren – ich wollte nur meine Erfahrungen mit euch teilen und denke, dass der eine oder die andere sich in den Geschichten ebenfalls wiederfindet.

Habt einen erfolgreichen Tag, egal was ihr tut und gebt niemals die Hoffnung auf. Denn eins ist klar: das BESTE kommt immer zum Schluss!

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Verena Walter

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